Stolberger Spieler versetzt Schiedsrichter einen Kopfstoß

13. April 2018

Stolberger Spieler versetzt Schiedsrichter einen Kopfstoß

Von: Christoph Pauli

Aachen. Nach etwa 20 Minuten rief der Schiedsrichter die beiden Spielführer zu sich. „Es war von Beginn an eine unruhige Partie“, sagte Marlon G. Er bat um mehr Disziplin. Der 22-Jährige ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht ansatzweise, dass dieses Spitzenspiel in der Bezirksliga mit einem Großeinsatz der Polizei enden würde.

Er ahnte auch nicht, dass er sich spät am Donnerstagabend noch ins Krankenhaus begeben würde müssen. Die Partie zwischen dem DJK FV Haaren (Aachen) und FSV Donnerberg (Stolberg) wurde beim Stande von 3:1 abgebrochen, als längst die Nachspielzeit tickte.

Der Spielleiter hatte im Laufe des Spiels nacheinander die heftig reklamierenden Trainer- und Co-Trainer von Donnerberg aus dem Innenraum verbannt. Als diese nicht wie vorgesehen hinter einer Bande verschwanden und zudem ein Stolberger Zuschauer permanent seinen Assistenten beleidigte, habe er die Partie unterbrochen, sagt er. Elf Minuten später ging es weiter, die Partie war längst entschieden, doch kurz vor dem Abpfiff kassierte der Mittelstürmer der Gäste nach einem weiteren Foul die gelb-rote Karte. „Völlig unstrittig“, bestätigten am Freitag etliche Zeugen.

„In vielen Jahrzehnten noch nicht erlebt“

„Was dann geschah, habe ich in vielen Jahrzehnten noch nicht erlebt“, war Haarens Vorsitzender Adi Hermanns auch noch am Tag danach erzürnt. Der vom Platz gestellte Spieler sei auf den Schiedsrichter losgegangen und habe ihm einen Kopfstoß verpasst. „Wenn es ein Spieler von uns gewesen wäre, hätte ich ihn noch am gleichen Abend aus dem Verein geworfen.“ Und deeskalierend habe niemand der Gäste eingegriffen.

Notruf zunächst wegen „Kopfschuss“ alarmiert

Auf der Leitstelle der Polizei ging zu diesem Zeitpunkt ein Notruf ein, in dem von einem „Kopfschuss“, nicht aber von einem „Kopfstoß“ die Rede war. Die Folge: Ein paar Minuten später waren etwa sieben Streifen- und ein Krankenwagen vor Ort auf der Anlage im Aachener Stadtteil Haaren. Vor Ort hatte sich die Lage längst beruhigt, der Beschuldigte wurde gleich vernommen und sprach von einem Unfall, unglücklich sei man mit den Köpfen zusammengestoßen, so eine Polizeisprecherin. Die Schilderung hatte er ziemlich exklusiv, am Freitag meldeten sich etliche Zeugen, die eine vorsätzlichen Tat beschrieben. „Für mich war es eine brutale Attacke auf den Schiedsrichter, die mir richtig Angst gemacht hat“, sagt Haarens erfahrener Trainer Jürgen Lipka. „Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt.“ Gegen den 32-Jährigen Konstantin T. wurde Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet.

Letzter Platz der Fairness-Tabelle

Torsten Hansen, der Trainer der Donnerberger, sagt, dass er nichts sagen kann. „Ich wurde ja erst des Feldes und dann später der Anlage verwiesen.“ Er findet die Geschichte traurig, „weil wir uns vorgenommen haben, disziplinierter aufzutreten“. Der Club war zuletzt öfter in die Schlagzeilen geraten, liegt nach etlichen Platzverweisen auf dem letzten Platz der Fairness-Tabelle in der Liga. Der Trainer der Aufsteigers sagt, er kenne seinen vom Platz gestellten Spieler als eher zurückhaltend. „Wir müssen jetzt mal in Ruhe überlegen, wie es mit ihm weitergeht.“

Der Fall ist bereits am Freitag an das Bezirkssportgericht weitergeleitet worden, dort kommt es zu einer mündlichen Verhandlung, sofern der Fall nicht schriftlich gelöst werden kann. Konstantin T. ist bis zu einem Urteil gesperrt.

Marlon G. fuhr nach der Partie in ein Krankenhaus, ist bis Mitte der Woche krankgeschrieben. Sein Spiel am Sonntag hat er bereits abgesagt. Der Schiedsrichter engagiert sich seit Jahren auch im Kreisjugendausschuss. Jetzt hat er erst einmal die Nase voll. „Ich werde mir gut überlegen, ob ich weitermachen werde“, sagt er.