Ein Leben für den Amateurfußball

21. Januar 2019

Wenn Leo Pennings über sein liebstes Hobby spricht, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. Der 70-Jährige hat in seinen 58 Jahren im Amateurfußball so einige spannende Geschichten erlebt – egal ob als Spieler, Trainer, Obmann oder Geschäftsführer.

Unlängst wurde er für sein besonderes ehrenamtliches Engagement mal wieder ausgezeichnet, diesmal im Rahmen des Mitarbeiterfestes des Fußballkreis Aachen. Natürlich hat sich Pennings über die Auszeichnung gefreut, wie er versichert. Doch besonderen Wert legt er darauf nicht. „Goldene und silberne Nadeln, ich habe ja schon fast alles. Aber die Auszeichnungen interessieren mich eigentlich nicht, denn ich engagiere mich, weil es mir Spaß macht“, betont Pennings, der aktuell intensiv für seinen Herzensklub VfR Forst im Einsatz ist – obwohl er inzwischen eigentlich Geschäftsführer und Technischer Fußball- obmann der DJK FV Haaren ist. Die Forster richten gemeinsam mit Westwacht Aachen am kommenden Wochenende die Hallenstadtmeisterschaft aus. Und Pennings organisiert das Turnier, obwohl er keine offizielle Funktion beim Traditionsklub von der Sonnenscheinstraße innehat. Das Urgestein des Aachener Amateurfußballs ist omnipräsent, der akurat gepflegte Terminkalender des Rentners prall gefüllt.

Erste Schritte bei der Westwacht

Seine ersten Schritte im Vereinsfußball absolvierte Pennings bei der Westwacht. Bei den Rot-Weißen verbrachte er seine gesamte Jugendzeit, an die er sich noch heute gerne zurückerinnert. „Wir haben uns damals noch in einem Hinterzimmer der Vereinskneipe umgezogen. Kabinen mit Duschen gab es noch nicht“, berichtet Pennings, der das große ehrenamtliche Engagement seiner damaligen Trainer Günter Drossart, Hans Schiffers, Paul Savelsberg und Hans Pelzer hervorhebt. „Die haben alles für uns getan. Das war eine traumhaft schöne Jugendzeit“, schwelgt der frühere Mittelstürmer in Erinnerungen. Noch heute pflegt er zu einem Großteil der damaligen A-Jugend-Akteure wie Rudi Hommelsheim oder Gustl Brammertz ein freundschaftliches Verhältnis.

Es folgten 18 intensive Monate bei der Bundeswehr in Idar-Oberstein. „In der Zeit habe ich für die dritte Mannschaft der Westwacht gespielt, da ich nur noch selten in Aachen war. Mein Schwager hat dann irgendwann zu mir gesagt: Du wohnst in der Zeppelinstraße, dann kannst du auch für Forst kicken.“ Die Überzeugungsarbeit trug Früchte, und so wurde der 1. Juli 1969 zu einem historischen Tag – für Pennings und den VfR. Dem Verein hat er trotz zwischenzeitlicher Trainer- und Vorstandstätigkeiten bei anderen Klubs nie den Rücken gekehrt, seine Mitgliedschaft nie beendet. 23 Jahre war er als Geschäftsführer für den VfR tätig. Aktuell organisiert er die Hallenstadtmeisterschaft, die Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des VfR steht als nächstes auf seiner To-do-Liste.

Doch trotz seiner Verbundenheit zum VfR Forst wechselte Pennings drei Jahre nach seinem ersten Engagement zum Burtscheider TV. Als 26-Jähriger absolvierte er damals auch erfolgreich seine Trainer-B-Lizenz-Ausbildung. Nachdem sich der BTV in der Winterpause von seinem Coach trennte, wurde Pennings kurzerhand zum Spielertrainer umfunktioniert. „Wir sind sogar noch Vizemeister in der Kreisliga B geworden“, erinnert er sich. Dennoch übernahm der Jungtrainer im Anschluss die B-Jugend des Polizei Sportvereins Aachen. Es folgten weitere Tätigkeiten für die zweite Mannschaft des VfR Forst, den Sportclub Aachen sowie Raspo Brand, ehe eine Rückkehr zum PSV fest vereinbart wurde. Der Klub trug inzwischen seine Heimspiele auf dem Sportplatz Bildchen aus. Sieben Jahre zeichnete er für den PSV verantwortlich. Es folgten weitere acht Jahre als Coach der Spielgemeinschaft VfL 05/PSV Aachen und weitere 14 Jahre als 05-Trainer, nachdem die Spielgemeinschaft wieder aufgelöst wurde. „Ich bin insgesamt neun Mal Vizemeister geworden. Zu mehr hat es nicht gereicht, denn ich hatte Höhenangst“, haut Pennings wieder einen der für ihn typischen Sprüche raus.

Doch für den Vater zweier Kinder war der Weg im Amateurfußball noch nicht zu Ende. Sein Stiefsohn bat den erfahrenen Ehrenamtler um Hilfe, nachdem er einen Posten im Vorstand bei der DJK FV Haaren übernommen hatte. Doch zu Pennings Überraschung gab sein Stiefsohn bei der folgenden Jahreshauptversammlung das Amt wieder ab. Und so übernahm Pennings nach ein wenig Überzeugungsarbeit die Posten als Technischer Obmann und Geschäftsführer bei den Haarenern. „Es ist ja leider wie bei vielen anderen Vereinen. Die Jüngeren haben keine Zeit oder keine Lust. Daher bin ich eingesprungen“, sagt er und bringt zugleich sein Bedauern über den fehlenden ehrenamtlichen Nachwuchs im Amateurfußball zum Ausdruck. „In meiner Jugendzeit bei der Westwacht waren die Leute fast Tag und Nacht für uns da. Ich habe mir gesagt, dass ich auch etwas zurückgeben muss“, begründet Pennings sein fast beispielloses ehrenamtliches Engagement für sein liebstes Hobby. „Es gibt nur ganz wenige, die noch bereit sind, sich zu engagieren. Das geht nicht mehr lange gut“, malt Pennings ein trauriges Bild für die Zukunft des Amateurfußballs.

„Ich bin ein Workaholic-Typ“

Dennoch ist der „bunte Hund“ weiterhin mit Herzblut bei der Sache, egal, ob in seiner offiziellen Funktion bei der DJK FV Haaren oder als „Macher“ beim VfR Forst. „Ich stehe den Jungs aus dem Forster Vorstand mit Rat und Tat zur Seite“, sagt der bekennende Fan des FC Liverpool bescheiden. „Ich bin ein Workaholic-Typ und kann zu Hause nicht einfach nur rumsitzen. Gott sei dank macht meine Frau das mit“, sagt der ehemalige Key-Account-Manager mit einem Schmunzeln.