Sportliche Wertung nicht mehr möglich

20. April 2021

Der Fußball-Verband Mittelrhein beschließt die Annullierung der Amateurfußball-Saison. Keine Auf- und Absteiger.

Aachen/Düren/Heinsberg Was wohl alle Amateurfußballer erwartet haben, ist am frühen Montagnachmittag von offizieller Seite bestätigt worden: Die seit dem 30. Oktober 2020 coronabedingt unterbrochene Saison im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) wird mit sofortiger Wirkung abgebrochen und annulliert. Das haben die Verantwortlichen des FVM im Rahmen einer Videokonferenz bekanntgegeben.

Die Entscheidung gilt für alle Ligen der Männer, Frauen und der Jugend inklusive Futsal-Mittelrheinliga. Auf- und Absteiger wird es in der Spielzeit 2020/21 nicht geben. Darauf haben sich die drei Landesverbände im Westdeutschen Fußball-Verband – neben dem FVM der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) und der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) – verständigt und die Entscheidung gleichzeitig kommuniziert, wie die FVM-Verantwortlichen um Präsident Bernd Neuendorf im Rahmen einer Videokonferenz mitteilten. Aus der Mittelrheinliga wird demnach kein Verein in die Regionalliga aufsteigen, in der somit nur noch ein Absteiger gesucht wird.

„Leider müssen wir zum zweiten Mal in Folge eine Saison abbrechen. Das ist natürlich alles andere als erfreulich, sowohl für alle Spielerinnen und Spieler, aber auch für den Verband und für mich persönlich. Letztlich hatte der FVM angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens aber keine andere Wahl“, sagte Neuendorf, der Ende Juni 2019 die Nachfolge von Alfred Vianden angetreten hatte und somit bislang noch keine coronafreie Saison als FVM-Präsident erlebt hat. „Wir mussten mit der Entscheidung bis zu dem Zeitpunkt warten, wo es nicht mehr möglich ist, die mindestens geforderten 50 Prozent der Spiele noch zu erreichen. Und erst jetzt können wir die für eine sportliche Wertung erforderliche Anzahl an Spielen nicht mehr bis zum 30. Juni erreichen. Leider, denn wir hätten die Spielzeit gerne sportlich beendet.“

Markus Müller, Vorsitzender des FVM-Verbandsspielausschusses, gibt ehrlich zu: „Mir blutet das Herz gewaltig. Die Entscheidung zur Annullierung der Saison ist zweifellos ein massiver Eingriff in den Spielbetrieb. Wir haben die Entscheidung deshalb auf allen Ebenen sorgfältig vorbereitet und breit abgestimmt.“ Dass einige Vereine den Rechtsweg einschlagen könnten, sieht Müller dabei gelassen. „Wir haben auf Basis der Spielordnung entschieden, die ja für alle transparent ist. Nichtsdestotrotz ist nie auszuschließen, dass jemand das anders sieht und den Rechtsweg einschlägt. Das ist legitim, und das akzeptieren wir auch. Wir sind aber mit uns im Reinen.“

„Wir sind nicht das
Orakel von Delphi.“

FVM-Präsident Bernd Neuendorf zum Start der Saison 2021/22

Die Entscheidung bei den Pokalwettbewerben der Männer und Frauen auf Verbands- und Kreisebene steht indes noch aus. In den kommenden Tagen will der FVM mit den beteiligten Vereinen Gespräche führen. Ziel ist es, einen Teilnehmer für den DFB-Pokal bei den Frauen und Männern zu melden. Die Pokalwettbewerbe der Jugend werden dagegen abgebrochen, da „dahinter kein DFB-Pokalwettbewerb wartet wie bei den Männern und Frauen“.

Bereits Anfang vergangener Woche hatte der Verband für die bereits „qualifizierten und noch möglichen Teilnehmer des FVM-Pokals“ drei Modelle entwickelt, die er zur Diskussion stellte (wir berichteten). Schließlich soll mit aller Macht ein Teilnehmer aus dem FVM-Gebiet für den lukrativen DFB-Pokal ermittelt werden. Der Dachverband hat dafür eine Frist gesetzt: Meldeschluss bei den Männern ist der 30. Juni, bei den Frauen gibt es hingegen noch keine konkrete Deadline. „Wir wollen jetzt zeitnah Gespräche mit den beteiligten Vereinen führen. Dabei können sich auch noch andere Modelle entwickeln. Wir hoffen, dass wir Ende dieser beziehungsweise kommende Woche sagen können, wie es mit dem Pokalwettbewerb weitergehen kann“, sagte Müller.

Nicht das Orakel von Dephi“

Angesprochen auf den Start der neuen Saison, übten sich die FVM-Verantwortlichen in Zurückhaltung. „Wir sind nicht das Orakel von Dephi“, bedauerte Neuendorf, dass es noch keinen festen Fahrplan gibt. „Die spielleitenden Stellen werden sich aber sofort damit beschäftigen, wie es weitergeht, sobald das pandemiebedingt möglich ist“, stellte Müller klar.