„Glücksgefühle“ in Haaren

19. April 2023

Der Fußball-Bezirksligist eilt von Sieg zu Sieg und springt auf Tabellenplatz zwei.

Aachen Wer Jürgen Lipka kennt, der weiß, dass der erfahrene Trainer in der Regel kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch zu einem Thema will sich der 61-Jährige momentan äußerst ungern äußern: dem möglichen Aufstieg seines Clubs DJK FV Haaren in die Fußball-Landesliga. „Dann lege ich den Hörer auf“, sagt der Coach und lacht.

Doch die Zahlen sprechen für sich. Die Haarener sind das Team der Stunde, eilen in der Rückrunde von Sieg zu Sieg und rangieren mit 45 Punkten auf Tabellenplatz zwei, der am Ende möglicherweise zum Aufstieg berechtigen würde. Am vergangenen Wochenende sicherte sich der Bezirksligist von der Neuköllner Straße den sechsten Dreier in Folge.

Treffer in der Nachspielzeit

Dank eines Kopfballtreffers von Florian Feldmann in der Nachspielzeit behielt Haaren mit 1:0 die Oberhand gegen den VfR Würselen. Wie schon bei den 2:1-Erfolgen gegen die SG Stolberg und beim SV Niederbachem durften die Haarener Anhänger erst nach den 90 Minuten jubeln. Von einem „sehr ausgeglichenen Spiel“ sprachen hinterher die beiden Übungsleiter.

„Wir haben ohne sechs potenzielle Stammspieler ein sehr gutes Auswärtsspiel absolviert. Leider haben wir die Partie durch einen Torwartfehler dann noch verloren. Fünf Minuten vor Schluss hätten wir auch noch einen Elfmeter bekommen müssen“, betont VfR-Coach Sanjin Talic, der mit seiner Mannschaft weiterhin auf dem fünften Tabellenplatz rangiert.

Der Rückstand zu den Haarenern beträgt nun allerdings satte zehn Punkte, wobei die Würselener aber noch ein Spiel mehr ausgetragen haben. „Wir wollen jetzt den fünften Platz verteidigen und unseren A-Jugendlichen weiterhin viel Spielzeit geben“, nennt der 42-jährige Coach die Ziele für die restlichen neun Saisonpartien. Am kommenden Sonntag gibt Schlusslicht FV Vaalserquartier seine Visitenkarte an der Ostkampfbahn ab. Dann zählt für das Talic-Team nur ein Sieg, wie der Trainer unterstreicht.

Der FV muss hingegen reisen, denn das Lipka-Team gastiert beim Tabellenachten Eicherscheid. „Die Germania hat unter Trainer Sandro Bergs eine brutal gute Entwicklung genommen. Dort erwartet uns sicher ein heißes Tänzchen“, sagt der Trainer, der sich gegen einen Aufstieg mit dem Club aus dem Nordosten Aachens nicht wehren würde. „Wir spielen Fußball, um maximalen Erfolg zu haben. Wir genießen den Moment, gehen mit der Situation aber sehr demütig um“, verdeutlicht Lipka auch mit Blick auf das schwierige Restprogramm der Haarener. „Die Liga ist sehr ausgeglichen. Wir haben die sechs Spiele in diesem Jahr nicht unverdient gewonnen, teilweise hatten wir aber das nötige Quäntchen Glück. Taktik, Teamorganisation und Einstellung müssen bei uns immer stimmen, um Woche für Woche erfolgreich zu sein.“

Viele personelle Rückschläge

Gleichwohl betont der ehemalige Coach des SV Rott sowie von Arminia Eilendorf, Borussia Brand und Westwacht Aachen, dass es bei den Schwarz-Gelben – trotz der vielen personellen Rückschläge in jüngster Vergangenheit – bislang „überragend“ läuft. „Man muss sich manchmal schon schütteln“, sagt Lipka, der davon ausgeht, dass er auch in der kommenden Saison die erste Mannschaft des FV anleiten wird. „Ich habe zu den Protagonisten in Haaren ein sehr gutes Verhältnis. Dass Leute wie beispielsweise Adi Hermanns und Karl Bellefroid, die ehrenamtlich für den Verein seit Jahren alles geben, momentan solche Glücksgefühle haben, freut mich einfach. Denn das macht den Amateurfußball aus.“ Bericht AN